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Presse

Mut zur Selbstbehauptung

16 junge Teilnehmerinnen zwischen 10 und 15 Jahren lernten in einem WenDo Training die Grundlagen der Selbstverteidigung kennen. Das Ziel: Mädchen mutig und selbstsicher für ihren Alltag zu machen:

WERSTEN Als die 14-jährige Samantha auf dem Weg nach Hause einem Mann mit offenem Hosenstall begegnete, war das für das Mädchen ein Schock. „Ich wusste gar nicht, was ich tun sollte“, erklärt sie. Die Jugendliche war verunsichert und rannte davon. Zu Hause berichtete
sie ihren Eltern von dem Vorfall. „Seitdem habe ich den Mann nicht mehr gesehen, aber komisch war es trotzdem“, erzählt Samantha.

„Mädchen und Frauen können lernen, mit solchen Situationen umzugehen“, weiß Judith Funke.
Die Wendo-Trainerin gibt weiblichen Teilnehmerinnen in ihren Kursen Anweisungen, wie sie sich in bestimmten Alltagssituationen verhalten sollen. Dabei kann es sich um Hänseleien von Klassenkameraden oder eine versuchte Vergewaltigung handeln. „Es ist wichtig, seine eigenen Grenzen kennen zu lernen“, sagt Funke. „Dann weiß man auch, wann man etwas nicht
möchte.“

In einem zweitägigen Kursus im Stephanushaus erklärte die Trainerin jetzt 16 jungen Teilnehmerinnen zwischen zehn und 15 Jahren die Grundlagen der Selbstbehauptung. „Los, jetzt ein doppelter Tritt vor das Schienbein mit einem lauten Schrei“, motivierte Judith Funke
die Mädchen beim Selbstverteidigungstraining.

Sofort holt die elfjährige Vanessa mit ihrem Bein aus. Zweimal tritt das Mädchen
mit ganzer Kraft vor eine Matte, die an der Wand lehnt und einen Angreifer simuliert.
Genauso selbstbewusst und motiviert absolvieren die anderen Teilnehmerinnen die Übung.

„Viele Schläge, die man sich aus Filmen abguckt, sind schlecht“, weiß Kursleiterin Funke. „Wir zeigen, was im Alltag wirklich effektiv ist.“ In Wendo-Kursen lernen Frauen, wie sie ohne ein Risiko der Selbstverletzung auf empfindliche Körperteile des Gegners, wie zum Beispiel die
Nase, schlagen. In Rollenspielen soll den Teilnehmerinnen klar werden, wie sie sich gegen Übergriffe aus dem Umfeld wehren. Dass Selbstverteidigung schon vor körperlicher Gewalt beginnt, lernte auch Vanessa: „Wir haben geübt, wie man entschlossen ‚Nein’ sagt.“ Der Kursus ist Teil der Kooperation „Bewusst ein Mädchen“ zwischen der evangelischen und katholischen
Kinder- und Jugendarbeit in Wersten. „Wir haben gemerkt, dass sich die männlichen Besucher in öffentlichen Einrichtungen sehr dominant verhalten“, sagt Sozialpädagogin Claudia Geller-
MacCarty. „Wir wollten deshalb die Mädchen im Stadtteil stärken.“ Bei einer einjährigen Fortbildung finanzierte die Stadt Düsseldorf das Projekt. Über die Fachstelle für Gewaltprävention wurde der Kontakt zu den Wendo-Trainerinnen hergestellt. Judith Funke weiß, dass ein Wochenende eigentlich viel zu kurz ist, um den Mädchen alles beizubringen. „Aber es reicht, um Anregungen zu geben, wie man sich wehren kann“, erklärt sie. Die jungen Teilnehmerinnen lernten, selbstbewusst mit Alltagssituation umzugehen. „Es ist wichtig, dass
die Mädchen verstehen, dass sie im Ernstfall eine Chance haben“, so Funke.